Abschnittsende: Rücksprung zur seiteninternen Navigation
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Bauen & Wohnen
Warum die Normung notwendig war und was sie den Verbraucherinnen und Verbrauchern bringt, fragte wirtschaftsfaktor-alter.de Dr. Holger Mühlbauer. Er ist Geschäftsführer des Normenausschusses Gebrauchstauglichkeit und Dienstleistungen (NAGD) beim Deutschen Institut für Normung (DIN-Institut).
wirtschaftsfaktor-alter.de: Es gibt bereits eine Vielzahl von Qualitätssiegeln für Einrichtungen mit betreutem Wohnen.
Warum nun die DIN-Norm? Dr. Holger Mühlbauer: Betreutes Wohnen hat in den 90er-Jahren eine enorme Konjunktur erlebt und sich zur bedeutendsten neuen Wohnform im Alter entwickelt. Doch Betreutes Wohnen ist gesetzlich kein eindeutig bestimmter Begriff. Außerdem gibt es von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Qualitätslabels, die den Verbraucherinnen und Verbrauchern jedoch nur begrenzt nützen, weil sie nicht vergleichbar sind beziehungsweise nicht auf einheitlichen Maßstäben beruhen. Mit der neuen Norm wird ein solches einheitliches Instrument zur freiwilligen Qualitätssicherung auf dem Markt des Betreuten Wohnens bereitgestellt. Die Norm definiert Mindestqualitätsstandards - das interessiert Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Anbieter. Für letztere schafft die DIN 77800 eine Orientierung über Leistungsangebote, die sie vorhalten sollten, wenn sie das Betreute Wohnen anbieten wollen.
wirtschaftsfaktor-alter.de: Wer war an der Erarbeitung der Richtlinie beteiligt?
Dr. Mühlbauer: Ganz unterschiedliche Gremien, auch geografisch bunt gemischt. Und da wir konsensorientiert arbeiten, waren die Verhandlungen manchmal nicht einfach. Beteiligt waren unter anderem Vertreterinnen und Vertreter von Beratungs- und Betreuungseinrichtungen, Verbände aus dem Wohnungsbau- und Immobiliensektor, aber auch der Deutsche Mieterbund, der Deutsche Städtetag für die Kommunen, Bauträger, Projektentwicklungsgesellschaften und Verbraucherschützer sowie konfessionelle Träger von Einrichtungen des Betreuten Wohnens. Kontakte wurden aber auch zur Finanzwirtschaft, das heißt zu Banken gesucht.
wirtschaftsfaktor-alter.de: Warum Banken?
Dr. Mühlbauer: Die sind ganz wichtig, denn zukünftig soll schon bei der Investitionsmittelvergabe sichergestellt sein, dass man sich an die neue Norm hält. Wer die DIN 77800 nicht verwirklicht, soll erst gar kein Geld bekommen. Die Banken sollten sich das am besten schriftlich zusichern lassen. Wer sich nicht an die neue Norm hält, wirkt sozusagen unseriös.
wirtschaftsfaktor-alter.de: Was versprechen Sie sich von der DIN 77800 für ältere Menschen?
Dr. Mühlbauer: In erster Linie die Transparenz des Leistungsangebots, das ist für die Endverbraucherinnen und ?verbraucher wichtig. Sie sollen auf Anhieb sehen können, was Grund- und was Wahlleistungen sind; die Pflicht und Kür, wenn Sie so wollen. Wir haben die neue Norm in einem Büchlein publiziert, das gut lesbar und sehr solide erklärt, was Betreutes Wohnen bieten muss. Es könnte ein Leitfaden sein, wenn es um Informationsgespräche geht. Zum Beispiel: Ist das Gebäude wirklich barrierefrei? Gibt es Abstellplätze für Rollstühle? Gibt es ein Lesezimmer?
wirtschaftsfaktor-alter.de: Sie sehen also Handlungsbedarf. Sind die Leute schlecht informiert?
Dr. Mühlbauer: Es gibt viele bunte Broschüren, die jedoch nicht immer das Mindestmaß an Informationen bieten. Und wo Verbraucherinnen und Verbraucher nicht informiert sind, droht Abzocke.
"Betreutes Wohnen für ältere Menschen" - Dienstleistungsanforderungen nach DIN 77800 wird vom Deutschen Institut für Normung e.V. herausgegeben. Beuth Verlag, www.beuth.de
www.din.de
Webseite des Deutschen Instituts für Normung