Rubrik: Über die Initiative
Sechster Altenbericht veröffentlicht
Zum sechsten Mal wurde im Auftrag der Bundesregierung der Altenbericht von einer unabhängigen Sachverständigenkommission erstellt. Thema des im November veröffentlichten Sechsten Altenberichts sind die „Altersbilder in der Gesellschaft“. Am 17. November ging der Bericht ins Bundeskabinett, wo die unter Federführung der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Kristina Schröder, erarbeitete Stellungnahme der Bundesregierung beschlossen wurde.
Der Sechste Altenbericht macht deutlich, dass die dominierenden Vorstellungen vom Alter in den zentralen Bereichen der Gesellschaft – etwa in der Arbeitswelt, der Bildung, der Wirtschaft, der Politik, beim Zivilengagement oder in der medizinischen und pflegerischen Versorgung – der Vielfalt des Alters häufig nicht gerecht werden. Das vorherrschende Bild vom Alter ist noch immer stark von Krankheit und Defiziten geprägt. Die klare Botschaft des Berichts lautet dagegen: Die sogenannten jungen Alten können sich mit ihren Potenzialen weitaus stärker als bisher in die Gesellschaft einbringen – und sie wollen dies auch. Zugleich müssen die Grenzen des Alters im Blick behalten und Hilfe und Unterstützung dort angeboten werden, wo es notwendig ist.
„Der Sechste Altenbericht führt uns deutlich vor Augen: Kein Lebensabschnitt ist so vielfältig wie das Alter“, sagte Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder bei der Vorstellung des Berichts. „Wir müssen ein realistisches und differenziertes Bild vom Alter zeichnen. Oft wird übersehen, dass wir in der Phase zwischen 65 und 85 einen historisch neuen Lebensabschnitt geschenkt bekommen haben. Die meisten Menschen erleben diesen Abschnitt nicht in Krankheit und Gebrechlichkeit, sondern aktiv und gesund. Diese Potenziale des Alters müssen wir stärker nutzen.“
Im Hinblick auf die Arbeitswelt stellt der Bericht klar, dass ältere Beschäftigte nicht weniger, sondern anders leistungsfähig sind als jüngere. In der Arbeitswelt noch immer präsente, negative Vorstellungen von Altersbildern stammten aus einer Zeit, in der ältere Beschäftigte möglichst früh aus dem Arbeitsleben ausgegliedert wurden. Inzwischen gebe es hingegen genügend Erkenntnisse zur Arbeitsfähigkeit und den Potenzialen älterer Beschäftigter. Schließlich nähmen etwa Erfahrung, Wissen, sprachliche Kompetenz und Urteilsvermögen mit dem Alter zu. Um Arbeitsfähigkeit zu erhalten, sollten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber beispielsweise auf altersgemischte Teams oder eine altersgerechte Arbeitsorganisation setzen.
Die Bundesregierung hatte im Juli 2007 die Sachverständigenkommission damit beauftragt, die Altersbilder in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu untersuchen und aufzuzeigen, wie sie sich auf die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen und kulturellen Leben auswirken. Die Altenberichte werden der Bundesregierung in jeder Legislaturperiode vorgelegt.
Der Sechste Altenbericht kann hier heruntergeladen werden.

„Ich glaube, dass der Jugendwahn allein nicht mehr trägt“
Wie wird Alter heute wahrgenommen?
Das Bild vom Alter ist heterogener geworden. In der Geschichte der Bundesrepublik gab es immer wieder eine Konjunktur eines bestimmten Altersbildes. Beispielsweise in der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre, als das defizitäre Alter im Vordergrund stand. Oder nach dem Zweiten Weltkrieg, als man die Alten als die Aufbaugeneration gesehen hat, die die Last dieses Krieges zu tragen hatten. Jetzt erleben wir gerade eine Situation, wo das Altersbild sich faktisch ändert, weil der demografische Wandel greifbar ist und Ältere zunehmend im Erwerbsleben präsent sind.
Welche Rolle spielen ältere Menschen in der Arbeitswelt der Zukunft?
Wir wissen aus der Medizin, aus der Gerontologie, auch aus der Gerontopsychologie, dass das längere Leben ja nicht bedeutet, dass wir länger in defizitären Situationen sind, sondern dass es gerade umgekehrt ist. Durch gezielte Interventionen können die Leistungsfähigkeit und die kognitiven Fähigkeiten bis ins hohe Alter erhalten bleiben. Es gibt also einen Potenzialdiskurs über das Alter. Und dieser Diskurs prägt die Entscheidungen der Politik, beispielweise im Hinblick auf die Rente mit 67. Tatsächlich ist es so, dass die Beschäftigung der Älteren in den letzten zehn Jahren deutlich angestiegen ist.
Wo stehen Unternehmen heute im Hinblick auf ältere Beschäftigte?
Obwohl wir schon seit 20 Jahren eine intensivere Debatte über den demografischen Wandel und seine Konsequenzen für die Rentenversicherung führen, sprechen wir erst seit Kurzem über die Auswirkungen für die betriebliche Personalpolitik. Denn bis Mitte des Jahrzehnts standen überwiegend Themen wie Personalabbau, Restrukturierung und Kostenmanagement auf der Agenda von Unternehmen. Das ist jetzt anders: Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel im Allgemeinen ist das beherrschende Thema und dadurch verändert sich auch der Blick auf Ältere. Gerade große Unternehmen sind bereits in ihrer strategischen Ausrichtung auf eine lebenszyklusorientierte Personalpolitik sensibilisiert und machen ihren Beschäftigten umfangreiche Angebote im Bereich Gesundheitsmanagement und Weiterbildung. Die Schwierigkeit ist, das in kleinere Unternehmen zu übertragen, die keine eigenen Abteilungen dafür haben wie Großkonzerne. Hier stehen wir noch am Anfang.
Wie wird sich die Bedeutung der älteren Menschen in ihrer Rolle als Verbraucherinnen und Verbraucher entwickeln?
Wenn Ältere den Großteil der Bevölkerung ausmachen, dann orientieren sich die Konsum- und Dienstleistungsangebote automatisch an ihnen. Davon werden jedoch nicht nur die Älteren profitieren, denn altersgerechte Lösungen sind oft die, die für alle bequemer sind. So ist der Verschluss der meisten Halsketten nicht nur für Ältere unpraktisch und schwer zu handhaben, sondern auch für Jüngere. Viele Dinge, die die altersgerechte Gestaltung ausmachen, sind deshalb leichtgängiger und bequemer für alle.
Was würden Sie Unternehmen raten: Wie sollen sie sich zukünftig ausrichten, um auf dem Markt erfolgreich zu sein?
Unternehmen sollten von der reinen Jugendorientierung Abstand nehmen und nicht nur die Zielgruppe bis 49 Jahren im Auge haben. Natürlich ist diese Altersgruppe interessant, weil dort die Aufnahmebereitschaft für Neuerungen und neue Produkte besonders groß ist. Aber insgesamt gesehen ist es einfach sinnvoll, die unterschiedlichen Lebensgewohnheiten und Lebensweisen aller Generationen im Blick zu haben. Ich glaube, dass der Jugendwahn allein nicht mehr trägt.

Mehr als 400 Einzelhändler mit dem Qualitätszeichen „Generationenfreundliches Einkaufen“ ausgezeichnet
Nur acht Monate nach dem bundesweiten Start des Qualitätszeichens „Generationenfreundliches Einkaufen“ gibt es nun schon über 400 Einzelhändler, die für ihre Generationenfreundlichkeit ausgezeichnet worden sind. Darunter sind auch die ersten beiden Einkaufscenter. Erst im November erhielt zudem das 100. Unternehmen in Niedersachsen die Auszeichnung. Dort wurde bereits im November 2009 das Pilotprojekt zum Qualitätszeichen „Generationenfreundliches Einkaufen“ gestartet. „In den letzten Monaten hat das Qualitätszeichen Rückenwind bekommen. Mittlerweile gibt es in fast allen Bundesländern zertifizierte Einzelhändler“, sagt die Geschäftsführerin des „Handelsverbands Deutschland (HDE) – der Einzelhandel“, Monika Dürrer. Das Interesse an der Auszeichnung sei erfreulich groß.
Mit dem bundesweiten Qualitätszeichen „Generationenfreundliches Einkaufen“ werden seit Frühjahr 2010 Einzelhändler in ganz Deutschland ausgezeichnet. Anhand von eigens für dieses Verfahren entwickelten Kriterien prüfen Testerinnen und Tester vor allem Leistungsangebote, Zugangsmöglichkeiten, Ausstattung der Geschäftsräume sowie das Serviceverhalten von Einzelhändlern. Entwickelt wurde das Qualitätszeichen „Generationenfreundliches Einkaufen“ gemeinsam vom HDE, der Initiative „Wirtschaftsfaktor Alter“, der „Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag“ (LINGA) sowie verschiedenen Bundes- und Landesministerien, Verbänden und Unternehmen.
Bundesweit wird das Qualitätszeichen vom HDE getragen und vergeben. Ansprechpartner in den einzelnen Bundesländern sind die Landes- und Regionalverbände des HDE. Im Pilotland Niedersachsen erfolgt die Zertifikatsvergabe über die Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag (LINGA).
Alle Informationen rund um das Qualitätszeichen „Generationenfreundliches Einkaufen“ finden Sie unter: www.generationenfreundliches-einkaufen.de
Kurzfilm zur Initiative „Wirtschaftsfaktor Alter“ online
Der Kurzfilm zur Initiative „Wirtschaftsfaktor Alter“ zeigt, mit welchen Themen und mit welchen Zielen sich die Initiative beschäftigt. Vorgestellt wird darin zudem das von „Wirtschaftsfaktor Alter“ mitentwickelte Qualitätszeichen „Generationenfreundliches Einkaufen“. In Experteninterviews kommen Monika Dürrer, Geschäftsführerin des Handelsverbands Deutschland (HDE) – der Einzelhandel, Cornelia Horsch, Leiterin des Internationalen Design Zentrums Berlin e. V., Prof. Dr. Ursula Lehr, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) e. V. und Mathias Knigge, Geschäftsführer von grauwert, zu Wort.
„Wirtschaftsfaktor Alter“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.
Den Kurzfilm zur Initiative „Wirtschaftsfaktor Alter“ können Sie hier sehen
Verarbeitendes Gewerbe: Neue Dokumentation des Arbeitskreises online
Der im März 2010 gestartete Arbeitskreis „Verarbeitendes Gewerbe und Bauwirtschaft“ hat sich im Oktober zum letzten Mal getroffen. Zentrales Thema war die Fragestellung, wie innovative Produkte und Dienstleistungen aus der Forschung auf den Markt kommen und welche Rolle dabei das Marketing spielt. Die rund 30 Expertinnen und Experten aus Unternehmen und Verbänden brachten vielfältige Erfahrungen, Anregungen und Lösungswege ein. Diese flossen in die dokumentierende Broschüre zum Arbeitskreis ein.
Die vollständige Dokumentation mit den einzelnen Vorträgen kann hier heruntergeladen werden.
Studie: Wenn Ältere ein Unternehmen gründen
Die Studie „Ältere Gründerinnen und Gründer – Was zeichnet sie aus? Welche Unterstützung benötigen sie“ zeigt, warum und wie ältere Menschen ein eigenes Unternehmen gründen. Zwar sind ältere Existenzgründerinnen und -gründer heute noch die Ausnahme, aber im Zuge des demografischen Wandels wird sich dies ändern. So wird es für immer mehr Menschen eine Option sein, am Ende des Berufslebens noch einmal neu anzufangen und ein Unternehmen zu gründen.
Die Studie verdeutlicht auch, warum Ältere sich selbstständig machen und ein eigenes Unternehmen gründen. Die wichtigsten Motive sind: sein eigener Herr sein, Erfahrungen weitergeben, aber auch einer drohenden Arbeitslosigkeit begegnen. Vor allem im Bereich Finanzierung unterscheidet sich der Unterstützungsbedarf der älteren „Unternehmensgründerinnen und Unternehmensgründer“ wie die Studie belegt. Denn sie müssen größere Sicherheiten vorweisen und benötigen selbst größere Sicherheit für den Fall des Scheiterns.
Anhand von drei Fallbeispielen wird in der Studie zudem aufgezeigt, wie Ältere ihr eigenes Unternehmen gründen können. Dafür wurden zwei Neugründer und eine Neugründerin zu ihren Lebenswegen, ihren Gründungsprozessen, ihren Motiven, Erfolgen und Hürden befragt.
Die Studie „Ältere Gründerinnen und Gründer – Was zeichnet sie aus? Welche Unterstützung benötigen sie?“ wurde vom RKW Kompetenzzentrum im Rahmen der Initiative „Wirtschaftsfaktor Alter“ durchgeführt. Befragt wurden insgesamt 200 Neugründerinnen und Neugründer sowie Kammern und Verbände.
Alle Ergebnisse der Studie finden Sie in der Broschüre „Ältere Gründerinnen und Gründer – Was zeichnet sie aus? Welche Unterstützung benötigen sie?“.

Rubrik: Für Verbraucherinnen und Verbraucher
Barrierefreies Wohnen: „Präventives Bauen ist das A und O“
Was versteht man unter barrierefreiem Wohnen?
Barrierefreies Wohnen bedeutet, dass wir in unserer Wohnung alle Barrieren beseitigen, die uns die Fortbewegung erschweren, Unfälle verursachen können oder das Leben unbequem machen. Im Durchschnitt hat eine Wohnung etwa 25 bis 30 Barrieren. Das fängt bei der herausstehenden Glastürkante an und hört bei der Küchenarbeitsplatte auf, an der man nicht im Sitzen arbeiten kann. Barrierefrei sind hingegen beispielsweise schwellenfreie Hauseingänge, das bodengleiche Duschbad oder auch die stufenlosen Ausgänge auf die Terrasse. Das sind alles Dinge, die nicht nur für Ältere eine Rolle spielen, sondern auch für Familien mit Kindern.
Worauf muss man bei barrierefreiem Bauen achten?
Beim Neubau ist es leicht, denn er ermöglicht es, die Barrierefreiheit von vorneherein mit einzukalkulieren. Das spart Geld, weil es nur geringfügig mehr kostet – höchstens drei Prozent mehr als die üblichen Baukosten. Der Umbau ist tendenziell etwas teurer, da vorhandene Barrieren erst entfernt werden müssen. Deshalb sollten Barrieren, die im Alter stören oder behindern können, vorausschauend beseitigt oder weggelassen werden. Präventives Bauen sowohl bei der Renovierung als auch beim Neubau ist das A und O. Schließlich sollten wir uns nicht unserer Wohnung anpassen, sondern unsere Wohnung sollte sich uns anpassen.
Es gibt natürlich viele Menschen, die Barrierefreiheit beim Bau ihres Hauses oder beim Kauf ihrer Wohnung nicht bedacht haben und jetzt Probleme mit den Barrieren bekommen. Gibt es kleine Umbauten, die viel bringen?
Ja, natürlich. Ein Beispiel ist die Badewanne: Viele Menschen kommen ab einem gewissen Alter zwar noch in die Badewanne rein, aber nicht mehr raus. Mit wenig Aufwand kann hier viel bewegt werden. So reicht für das Erste häufig schon ein Haltegriff aus, an dem man sich abstützen kann.
Gibt es für den barrierefreien Umbau auch Förderungen?
Ja, für Anpassungen oder den Umbau gibt es Zuschüsse. Diese können beispielsweise bei der KfW Bankengruppe beantragt werden. Seit April 2009 gibt es dort das Programm „Altersgerechtes Umbauen“.
Weitere Informationen zum Institut „Wohnen im Alter“ finden Sie unter:
www.institut-wohnen-im-alter.de
Ein Interview zum KfW-Programm „Altersgerechtes Umbauen“ mit der Pressesprecherin für den Bereich Förderprogramme für Privatkunden, Eske Ennen, finden Sie hier.
Alle Infos zum KfW-Programm „Altersgerechtes Umbauen“ finden Sie hier.

Rubrik: Für Unternehmen
Fachforum und Ausstellungseröffnung „Universal Design“
Die Wanderausstellung „Universal Design: Unsere Zukunft gestalten“ des Internationalen Design Zentrums Berlin (IDZ) macht vom 30. November bis zum 17. Dezember 2010 Station im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Ausstellung, die bereits seit 2009 durch Deutschland wandert, zeigt über 60 Produkte aus verschiedenen Bereichen des Alltags sowie studentische Arbeiten und Konzepte. Die Exponate werden in einer interaktiven Form präsentiert. Eröffnet wurde die Ausstellung von Josef Hecken, Staatssekretär im Bundesministerium, sowie von Cornelia Horsch, Leiterin des IDZ. Zur feierlichen Ausstellungseröffnung gab es zudem ein Fachforum, bei dem Mitglieder des Kompetenznetzwerks Universal Design ihre Arbeit vorstellten und über Ansätze und Strategien bei der Umsetzung in der Praxis diskutierten.
Die Ausstellung kann bis zum 17. Dezember 2010 im Besucherzentrum des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Glinkastraße 24, 10117 Berlin) wochentags von 11 bis 17 Uhr besichtigt werden.
Unternehmen, Verbände und Institutionen, die sich gerne zum Thema „Universal Design“ austauschen möchten sowie an Informationen zum Thema interessiert sind, bietet das IDZ eine kostenfreie Mitgliedschaft im Kompetenznetzwerk an. Wenn Sie an einer Mitgliedschaft interessiert sind, können Sie sich anmelden unter: www.idz.de/dokumente/Antragsformular_Kompetenznetzwerk.pdf

„Wenn mit älteren Frauen geworben wird, dann sollten diese auch echte Falten haben“
Welche Marktstrategien sind bei der älteren Kundschaft erfolgreich?
Es gibt nicht den Einheitstyp und deshalb auch nicht die eine Marktstrategie für ältere Kundinnen und Kunden, ebenso wenig wie für die jüngeren. Wir analysieren seit mehr als zehn Jahren erfolgreiche Marketing- und Kommunikationsstrategien und sind dadurch zu vier Ansätzen gekommen. Der erste Ansatz ist der Altersansatz. Das heißt: das Thema Alter in den Vordergrund zu rücken oder einen klaren Vorteil für Ältere zu bieten. Ein gutes Beispiel ist die BahnCard der Deutschen Bahn. Denn für über 60-Jährige kostet sie nur die Hälfte des regulären Preises. Hier wurde mit dem Alter ein klarer Vorteil verbunden.
Welche Ansätze gibt es noch?
Zum Beispiel den Kompetenzansatz, bei dem Kompetenzen und Erfahrungswerte und nicht die Defizite älterer Verbraucherinnen und Verbraucher in den Vordergrund gerückt werden – das sehen Ältere natürlich gern. Der dritte Ansatz ist der Lifestyle-Ansatz. Dabei geht es darum, den Nerv der Älteren, ihren Lebensstil zu treffen. Es gibt vor allem im Tourismus-, Möbel- und Kleidungsbereich sehr viele Beispiele. Allerdings ist der Ansatz nicht ganz leicht, weil es so viele unterschiedliche Lebensstile gibt. Nehmen wir den Modebereich, wo es vom legeren Jeans- und Lederjackentypen bis hin zur konservativen Hausfrau mit Schürze alles gibt.
Was besagt Ihr vierter Ansatz?
Der vierte Ansatz ist der Generationenansatz. Ein generationenübergreifender Ansatz, der vor allem im Massenproduktbereich Verwendung findet. Das heißt, überall dort, wo Produkte für alle Generationen entwickelt werden. Das kann der Telefon- und Internetanschluss, aber auch der Kaffee und das Auto sein.
Was sollten Unternehmen unbedingt beachten, wenn sie mit ihrer Werbung ältere Menschen ansprechen möchten?
Entscheidend ist die Glaubwürdigkeit. Das heißt beispielsweise, wenn mit älteren Frauen geworben wird, dann sollten diese auch echte Falten haben – nur so wirken sie authentisch. Das zweite Thema ist die Komplexität, also die Informationsdichte.
Was hat es damit auf sich?
Mit zunehmendem Alter verlangsamt sich die Informationsverarbeitung im Gehirn. Das bedeutet: Biete ich sehr viele Informationen in sehr kurzer Zeit an, lehnt das Gehirn das eher ab. Je mehr ich die Informationen entzerre, desto besser können sie aufgenommen werden. Zum Beispiel bei einem TV-Werbespot hat das ältere Gehirn Schwierigkeiten, vielen schnellen Schnitten zu folgen. Geschichten, die auf gelerntem Wissen aufbauen und durchgängig erzählt werden, haben mehr Chancen auf Erfolg. Ein gutes Beispiel dafür ist der Werbespot eines großen deutschen Automobilherstellers, der an den Film „Die Reifeprüfung“ anknüpft.
Weitere Informationen zu A.GE – Agentur für Generationen-Marketing in Nürnberg finden Sie unter: www.generationen-marketing.de

Projekt „Design für Alle“: Veranstaltung zum Thema Tourismus und Unternehmenswettbewerb
Am 15. September 2010 fand die Fachtagung „Tourismus neu gestalten“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie statt. Rund 200 Gäste informierten sich vor Ort zum Thema barrierefreie Tourismusangebote. Die Tagung gehört zu einer Veranstaltungsreihe des Projekts „Design für Alle“, das 2009 gestartet wurde und noch bis 2012 läuft. Das Projekt beschäftigt sich mit der Gestaltung von Lebensräumen, Produkten und Dienstleistungen. Ziel ist es, die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen, ihre Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu fördern und somit letztlich auch ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten. Gefördert wird das Projekt „Design für Alle“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.
Zudem können sich Unternehmen, die bereits Dienstleistungen und Produkte anbieten, die den Kriterien des „Design für Alle“ entsprechen, am Wettbewerb „Design für Alle – Unternehmen zeigen gute Praxis“ beteiligen.
Die Wettbewerbsunterlagen dazu finden Sie unter: www.rkw-kompetenzzentrum.de/fileadmin/media/Dokumente/Projekte/2010_Dok_dfa-wettbewerb-bewerbungsunterlagen.pdf
Die Vorträge der Veranstaltungsreihe des Projekts „Design für Alle“ können heruntergeladen werden unter: www.rkw.de/dfa

Rubrik: Schon gewusst …
Schon gewusst?
Das Schreiben von E-Mails liegt bei den über 64-Jährigen voll im Trend: Jeder Dritte verschickt in dieser Altersklasse regelmäßig elektronische Post. Das ergab eine repräsentative Untersuchung des Sozialforschungsinstituts Infas. Während die unter 19-Jährigen laut der Studie nahezu alle online sind, verfügen bei den über 64-Jährigen mittlerweile 44 Prozent über einen eigenen Internetzugang. Für ein Drittel der älteren Anschlussbesitzerinnen und -besitzer ist das Internet im privaten Alltag nach eigenen Angaben sogar „unverzichtbar“.
Hinzu kommt: Viele der über 64-Jährigen, die derzeit noch nicht online sind, haben großes Interesse an einem Einstieg ins Internet. Oft fehlen jedoch die richtigen Informationen oder ein geduldiger Ansprechpartner, der bei den ersten Schritten in die digitale Welt behilflich ist. So ist für 44 Prozent der Weg ins Netz zu kompliziert und rund 40 Prozent wussten nicht, was sie mit dem Internet alles machen können. Es gibt also ein deutliches Neukundenpotenzial zu gewinnen: Immerhin eine halbe Million Seniorenhaushalte ist derzeit ohne eigenen Internetanschluss.
Auffällig an den Ergebnissen ist auch, dass Seniorinnen und Senioren das Internet anders als jüngere Generationen nutzen. Neben dem Versenden von E-Mails suchen sie im Netz gezielt nach Informationen ─ Internetanwendungen wie Onlinebanking, Chatten oder Onlineshopping sind für sie weniger interessant. Auch die Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook steht auf der Prioritätenliste der über 64-Jährigen ganz unten.
Weitere Informationen über die Ergebnisse der Studie finden Sie unter: www.infas.de
Rubrik: Veranstaltungshinweise
Vorankündigung: Fachtagung „Wirtschaftsfaktor Alter“ in Dresden (Sachsen)
Am 27. Januar findet in Dresden die nächste Fachtagung der Initiative „Wirtschaftsfaktor Alter“ statt. Sie steht unter der Überschrift „Chancen des demografischen Wandels nutzen“. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Unternehmenspraxis diskutieren über Themen wie Marketing oder Produkte des „Universal Designs“. Zudem stellen Unternehmen Lösungsansätze zur Sicherung der Leistungsfähigkeit und Leistungsmotivation älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor.
Das Programm wird in Kürze zugänglich sein unter: www.wirtschaftsfaktor-alter.de
Anmelden können Sie sich bereits jetzt per E-Mail an: info(at))wirtschaftsfaktor-alter.de
Vorankündigung: Fachtagung „Gesundheits-, Medizin- und Komforttourismus“ (Köln)
Das Gesundheitsbewusstsein wächst und so wird aus manchem Erholungsurlaub ein Gesundheitsurlaub, bestehend aus Wellness- und Medizinanwendungen. Wie touristische Anbieter hier mit Anbietern des (zweiten) Gesundheitsmarktes zusammenarbeiten können, ist Thema der Fachveranstaltung „Gesundheits-, Medizin- und Komforttourismus“ am 15. Februar 2011 in der IHK zu Köln, die von „Wirtschaftsfaktor Alter“ in Kooperation mit der IHK zu Köln und dem Beratungsunternehmen skdemographic organisiert wird.
Details zur Veranstaltung und Anmeldung erhalten Sie hier.

