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Experteninterview23.07.2009

„Bei der Geldanlage nicht alles auf eine Karte setzen“

Dorothea Mohn ist Referentin im Bereich Altersvorsorge und Kapitalanlage der Verbraucherzentrale Bundesverband. Im Interview spricht sie darüber, wie eine gute Finanzberatung sein sollte was es zu beachten gilt:

 

Worauf sollten ältere Kundinnen und Kunden achten, wenn sie Geld anlegen wollen?
Zunächst sollte man wissen, wofür man das Geld anlegen will. Für jemanden, der eine zusätzliche Rente benötigt, eignen sich andere Anlagen als für jemanden, der für eine einmalige Anschaffung spart. Außerdem sollte man auf die Risiken achten: Der Wunsch nach einer höheren Rendite ist immer mit einem höherem Risiko verbunden. Wichtig ist: das Risiko muss nicht nur zur Risikobereitschaft, sondern auch zum Anlageziel und zur Laufzeit passen. Grundsätzlich gilt, die Geldanlage zu streuen, anstatt alles auf eine Karte zu setzen. Darüber hinaus sollte man auf eine geringe Kostenbelastung achten. Kosten in der Kapitalanlage gehen zulasten der Rendite. Und natürlich sollte man sich vorher gut informieren und beraten lassen.

Gibt es Anlageprodukte, die sich für die Bevölkerungsgruppe 50plus generell nicht eignen?
Ich denke, dass bestimmte, mit besonderen Risiken behaftete Produkte wie beispielsweise das Gros der Zertifikate oder auch fondsgebundene Rentenversicherungen bei Anlegerinnen und Anlegern ab einem bestimmten Alter nichts mehr zu suchen haben. Leider sind zunehmend Fälle bekannt geworden, bei denen Ältere dazu gebracht wurden oder werden sollten, ihr komplettes Vermögen von Sparbüchern in Zertifikate umzuschichten. Unabhängig vom Alter sind diese Papiere aufgrund der hohen Komplexität, mangelnden Kostentransparenz und kaum kalkulierbaren Risiko für unbedarfte Anleger ungeeignet – hier müssten Barrieren geschaffen werden.

Wie kommen ältere Kundinnen und Kunden, die Geld anlegen wollen, zu einer guten Beratung?
Auf der sichersten Seite sind die Verbraucher, wenn sie sich unabhängig gegen die Zahlung eines Honorars beraten lassen. Das bedeutet dann, dass der Berater oder die Beraterin nicht am Produktverkauf durch die damit verbundenen Provisionen verdient, sondern allein für die Beratung bezahlt wird. In der Beratung durch Banken oder Finanzvertriebe ist es wichtig, dass Ältere bei der Beratung eine aktive Rolle einnehmen: Wer sich mit Geldanlagen nicht auskennt, sollte dies am Anfang des Gesprächs deutlich machen und trotzdem am Ende das Gefühl haben: Ich habe verstanden, warum ich welches Produkt auswähle. Wenn Fragen offen bleiben, läuft die Beratung falsch. Hilfreich sind eigenen Notizen über das Beratungsgespräch und möglichst eine Begleitperson, die auch später noch die Aussagen des Beraters bestätigen kann.

Wo können sich Anlegerinnen und Anleger sonst noch informieren und mit welchen Kosten müssen sie rechnen?
Die Verbraucherzentralen oder Vereine wie die „Alten Hasen“ bieten eine Anlageberatung gegen Gebühr. Bei der Verbraucherzentrale sind für 1,5 bis 2 Stunden zwischen 50 und 120 Euro zu zahlen. Dafür bekommt man aber die Sicherheit, dass kein Provisionsinteresse die Empfehlung bestimmt hat. Auch bei der Bank ist die Beratung ja nicht kostenlos, sondern wird indirekt über Provision, die im Produkt stecken, bezahlt.

Hat sich infolge der Finanzkrise die Beratung bei den Finanzdienstleistern bereits verbessert und was ist aus Ihrer Sicht noch zu tun?
Alle mir bekannten Tests von Beratungen in Banken oder Finanzvertrieben weisen eigentlich nicht darauf hin, dass sich irgendetwas Einschneidendes geändert oder verbessert hätte. In der Anlageberatung sind deshalb neue Rahmenbedingungen gefordert. Ein Rahmen, der Druck macht für eine gute und faire Finanzberatung. Dazu zählen: ausreichend lange Verjährungsfristen und eine verbesserte Beweislage für Verbraucherinnen und Verbraucher. An diesen beiden Punkten ist die Politik bereit aktiv geworden. Was noch fehlt, aber von entscheidender Wichtigkeit ist, sind Änderungen in den Vertriebsstrukturen der Banken und Finanzvertriebe. Für die Verbraucherin oder den Verbraucher schädliche Vertriebsvorgaben oder -anreize müssen unterbunden werden.

Externer Link:

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Bundesverband: www.vzbv.de

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