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Einzelhandel

Immer mehr Geschäfte setzen auf seniorenfreundlichen Service

Das zunehmende Durchschnittsalter der Konsumenten erfordert neue Konzepte im Einzelhandel. Denn ältere Leute legen besonderen Wert auf Service und Beratung. Aber auch bei der Gestaltung des Sortiments und der Präsentation der Waren unterscheiden sich die Bedürfnisse der älteren Generation von den Ansprüchen jüngerer Kundschaft. So sind z. B. kleine Packungsgrößen und die gute Erreichbarkeit der Waren wichtig für Seniorinnen und Senioren.

Immer mehr Einkaufsstädte werben deshalb gezielt mit seniorenfreundlichem Service um ältere Verbraucher. Die Geschäfte dieser Städte werden von Seniorenbeiräten geprüft und erhalten bei bestandenem Test ein Gütesiegel, das deutlich sichtbar außen am Geschäft angebracht wird. Als Vorbild dient das Zertifikat „seniorenfreundlicher Service“ in Karlsruhe.

Allerdings haben sich derartige Initiativen noch nicht bundesweit durchgesetzt. Gerade beim Einkauf von Waren des täglichen Bedarfs erwarten viele Seniorinnen und Senioren noch besseren Service. Kritisiert werden nach einer Umfrage der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) vor allem schlecht ausgebildetes und wenig hilfsbereites Personal (61 Prozent), eine fehlende Kundentoilette (55 Prozent), schwer lenkbare Einkaufswagen (52 Prozent), zu wenig Platz hinter der Kasse (48 Prozent), zu hoch gestapelte Waren (47 Prozent), zu wenige Sitzplätze in den Geschäften (43 Prozent) sowie unleserlich kleine Preisauszeichnungen (42 Prozent).

Wie sinnvoll sind Zertifizierungen?

Ein Gütesiegel bietet oft die einzige verlässliche Orientierung für die ältere Kundengruppe, denn zum Erhalt des Zertifikats müssen die Geschäfte zahlreiche Bedingungen erfüllen. Diese Siegel werden von Seniorenbeiräten ausgestellt. Das Siegel ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn die Einhaltung der Kriterien in bestimmten Abständen erneut überprüft wird.

Welche Vorteilte bieten derart gekennzeichnete Geschäfte?

Zu den wichtigsten Vorteilen gehören: Barrierefreiheit, helle Beleuchtung, Sitzgelegenheiten, übersichtliches Warenangebot, gut lesbare Preisschilder, Lieferservice, kurze Wege. Hiervon profitieren übrigens auch jüngere Kundinnen und Kunden.

Was kostet mich ein besonders seniorenfreundlicher Service?

Discounter und Supermärkte berechnen meist zwischen fünf und zehn Euro, wenn die Waren ins Haus geliefert werden sollen. Bei einigen Filialen gibt es diesen Service sogar umsonst. Hier lohnt es sich gezielt nachzufragen. Teurer ist die Inanspruchnahme von Einkaufsassistenten, die gerade in Großstädten immer häufiger ihre Dienste anbieten. Dafür sind diese aber auch beratend tätig und bringen zum Beispiel Kleidungsstücke zur Anprobe ins Haus. Grundsätzlich gilt: Ein Geschäft, das mit umfangreichen Serviceleistungen wirbt, hat diese wahrscheinlich schon „eingepreist“ und wird nicht unbedingt die günstigsten Preise bieten.

Besonders in Berlin gibt es viele Angebote

In der Hauptstadt boomen Angebote für die mittlere und ältere Generation. Nicht zuletzt deshalb, weil nach Angaben des Statistischen Landesamtes im vergangenen Jahr 44,4 Prozent der Bevölkerung Berlins über 45 Jahre alt waren.

Das Sortiment des Kaufhauses „Evergreen“ in Friedenau reicht von Naturkosmetik für reife Haut über Bücher und Spiele mit extra großen Buchstaben und Symbolen bis zum selbständig saugenden Roboter. Ein Bio-Café, Seminare zum Gedächtnistraining und Chi-Gong-Kurse runden das Angebot für die ältere Generation ab.

Auch die Galeria Kaufhof am Alexanderplatz hat sich verstärkt auf die Zielgruppe 50+ eingestellt. Dort gibt es spezielle Abteilungen mit Marken, die sich an die mittlere und ältere Generation richten, sowie besonders viele Sitzgelegenheiten.

Weitere Beispiele für seniorenfreundliches Einkaufen

Die Konzepte „Edeka 50Plus“ und „Neukauf 50+“ orientieren sich speziell an den Bedürfnissen älterer Menschen. Entsprechend gekennzeichnete Filialen gibt es inzwischen in Ingolstadt, Bad Gögging, Bad Füssing und Chemnitz. Diese bieten eine große Auswahl an Fertig- und Diät-Produkten sowie kleine Packungen. Helle, breite Gänge, niedrige Regale, große Etiketten, Leselupen, der Verleih von Lesebrillen, Ruhezonen und sprechende Obstwaagen gehören ebenso zum Konzept.

Auch die Metro Group führt derzeit zahlreiche Umbaumaßnahmen durch, um ihre Geschäfte seniorenfreundlicher zu gestalten. Und im E-Center Kreuzberg in Koblenz ist mindestens jeder zehnte Beschäftigte älter als 50 Jahre. Diese können sich besser in die Wünsche älterer Kundinnen und Kunden einfühlen, so die Idee.

Liste seniorenfreundlicher Geschäfte und Firmen:

www.aalencityaktiv.de
www.awo-heidenheim.de
www.karlsruhe.de
www.darmstadt-citymarketing.de

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